|
Hinterglasmalerei
Die Ursprünge
der Hinterglasmalerei liegen in der Antike, wo man graviertes oder bemaltes
Blattgold zwischen zwei Glasschichten einschmolz. Erst in der Renaissance
entwickelte sich das eigentliche Hinterglasbild, das hinter Glas gemalte
Altar- und Votivbild, woraus die tüchtigen Venezianer sogleich eine
florierende Industrie entwickelten. In der Spätbarockzeit schossen
im gesamten Alpenraum (Oberammergau, Murnau, Bayerischer Wald, Tirol usw.)
die bäuerlichen Nebenerwerbsbetriebe und Werkstätten für
Hinterglasmalerei aus dem Boden. Andachtsbilder, Votivbuidln, Portraits
der Namenspatrone und Ereignisse aus der Bibel wurden seit Beginn des 18.
Jh. ebenso auf Glas gemalt, wie höfische und bürgerliche Genreszenen,
bis die Konkurrenz des Farbdruckes ab Mitte des 19. Jh. der Hinterglasmalerei
empfindlich zusetzte. Heute erlebt die Hinterglasmalerei eine große
Renaissance. Das liebevoll gemalte "heilige Taferl" wird erfreulicherweise
wieder geschätzt.
Hinterglasmalerei im Werdenfelder
Land
Seit Mitte des 17. Jahrhundert war
die Hinterglasmalerei zwischen Murnau, Seehausen, Uffing und Oberammergau
zu Hause. Die Malerwerkstätten waren meist Familienbetriebe, die es
oftmals über Generationen hinweg zu Ansehen und bescheidenem Wohlstand
brachten. Als in Aschau, in der Nähe des heutigen Grafenaschau gelegen,
der Glashüttenmeister Tritschler 1731 eine Glashütte einrichtete,
begannen Murnauer Künstler mit der Hinterglasmalerei. Dabei wurde
das Motiv seitenverkehrt auf die Rückseite des Glastaferls aufgemalt;
zuerst die feinen Gesichtszüge, die Lichter, Schriften und Verzierungen.
Zuletzt kam darüber der Hintergrund.Tritschler produzierte zweitklassige
Flaschen und das für die Malerei genügende Tafelglas". Dabei
wurde das Glas in große Hohlglaszylinder geblasen, aufgeschnitten
und flachgebogen. 60 Tafeln ergaben einen "Bund", der in Murnau über
die Glasermeister verkauft wurde.Mit der Hinterglasmalerei waren meist
ganze Familien beschäftigt. Oftmals handelte es sich um kleine Gewerbebetriebe,
die auch Federblumen und Rahmen herstellten oder manchmal als Kirchenmaler
fungierten. Anders als bei den akademischen Malern der Städte war
die Hinterglasmalerei im Voralpenland ein freies Gewerbe. Es gab keine
feste Ausbildungsordnung. Die Techniken wurden in den Familien von Generation
zu Generation weitergegeben.
zurück zur
Hauptseite
|